Im folgenden wollen wir Ihnen einen Überblick der verschiedenen Backup-Technologien geben. Die einzelnen Formate verfügen jeweils über Vorzüge und Nachteile. Zum Thema Backup-Strategien gibt es hier weitere Informationen.

 

Travan

Travan ist eine der ältesten Technologien und aus QIC (Quarter Inch Cartridge) hervorgegangen. Die Bezeichnung Quarter Inch - "Viertel-Zoll" - rührt von der Breite des Magnetbandes her.. Wie bei QIC üblich, werden die Daten in Spuren parallel zum Band aufgezeichnet, wobei am Bandende die Aufzeichnung in umgekehrter Richtung fortgesetzt wird. Dadurch muss das Band nicht fortwährend zurückgespult werden und es wird Zeit eingespart sowie das Band und die Mechanik geschont. Ein großer Vorteil von Travan ist, dass die Technologie mit wenigen beweglichen Teilen auskommt. Dies rührt daher, dass das Band zu keinem Zeitpunkt aus seiner schützenden Hülle entnommen wird, was wiederum dazu führt, dass Travan-Laufwerke sehr robust sind; auch die Medien selbst sind durch die einen Millimeter starke Aluminiumplatte extrem stabil. Der Nachteil der Technologie ist allerdings die begrenzte Kapazität. Derzeit liegt sie bei nativ - also ohne Kompression - 20 Gigabyte und ist damit für professionelle Anwendungen erheblich zu klein. Sie empfiehlt sich daher höchstens für private Anwender.

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass sich die Hersteller zunehmend aus dem Segment der Travanstreamer zurückziehen. Es ist nicht abzusehen, wie lange es noch neue Geräte geben wird - es ist zu vermuten, dass Travan auf absehbare Zeit nicht mehr weiterentwickelt wird.

 

DDS

Das Digital Data Storage stammt vom Digital Audio Tape (DAT) aus dem HiFi-Bereich ab und zeichnet die Daten über eine rotierende Trommel mit zwei bis vier Köpfen in schrägen Spuren auf einem Magnetband auf. Die Bänder selbst sind aus Kunststoff aufgebaut und haben das Format einer rund einen Zentimeter starken Scheckkarte. Für die Aufzeichnung und das Lesen vom Band wird dieses beim Einführen in das Laufwerk aus der Kassette entnommen und über zahlreiche Rollen und Führungen über den Schreib- / Lesekopf geführt. Die Laufwerke weisen daher eine recht komplexe Mechanik auf, und das Band kann bei einem Ausfall nicht aus dem Laufwerk genommen werden. Bislang gibt es vier DDS-Spezifikationen, die mit DDS-1 bis DDS-4 bezeichnet werden. Die maximale native Kapazität liegt bei 20 Gigabyte. Hinzu kommt, dass auch Autoloader verfügbar sind und somit größere Kapazitäten und die vollständige Automatisierung möglich sind.

Allerdings ist auch hier zu beobachten, dass sich die Hersteller aus diesem Segment zurückziehen und damit die weitere Entwicklung in Frage gestellt scheint.

 

AIT

Das Advanced Intelligent Tape ist eine direkte Weiterentwicklung von DDS und stammt aus dem Hause Sony. Die Bandkassetten entsprechen in ihren Abmessungen in etwa denen der bekannten Musikkassetten aus dem HiFi-Bereich. Im Gegensatz zu den DDS-Pendants sind sie jedoch mit einer Aluminiumplatte versehen und damit erheblich stabiler. Hinzu kommt, dass die Bänder mit einem Chip versehen sind, auf dem die Laufwerke Verzeichnisinformationen ablegen können. Dies führt dazu, dass im Restorefall der Zugriff auf die erforderlichen Daten beschleunigt und damit erheblich Zeit eingespart wird. Sony ist mittlerweile bei AIT-3 angelangt und bietet damit eine native Speicherkapazität von 100 Gigabyte pro Band. Darüber hinaus entwickelt der Hersteller fleissig weiter und hat im November 2001 das Format S-AIT angekündigt. Dieses soll eine native Kapazität von 500 Gigabyte pro Band und Datenraten von bis zu 30 MByte pro Sekunde realisieren. Verfügbar soll die Technologie ab Ende 2002 sein, wobei AIT und S-AIT parallel entwickelt werden und sich teilweise erheblich unterscheiden.

 

LTO

Aus der Erkenntnis heraus, dass viele potenzielle Käufer durch die zahlreichen Bandformate abgeschreckt werden, und auf Grund des zunehmenden Speichervolumens haben sich Hewlett-Packard, IBM und Seagate 1998 zusammengeschlossen und Linear Tape Open aus der Taufe gehoben. Die Technologie basiert auf einer linearen Datenaufzeichnung und auf einem Band, wobei das Band auf einer einzigen Spule in der Kassette untergebracht ist. Diese Lösung spart in der Kassette selbst viel Platz, so dass bei gleichem Volumen erheblich mehr Band untergebracht werden kann als bei den Lösungen, bei denen sich beide Spulen in der Kassette befinden. Die erforderliche zweite Spule befindet sich im Laufwerk selbst. Diese nimmt das Band auf, wobei es auf seinem Weg von der Kassette zur Spule am Schreib- / Lesekopf vorbeigeführt wird. Die Kassetten selbst sind quadratisch mit einer Kantenlänge von gut 10 Zentimetern, einer Dicke von rund einem Zoll und komplett aus Kunststoff gefertigt. Projektiert ist die Technologie in zwei Ausführungen: einmal als Accelis für Anwendungen, bei denen schneller Datenzugriff gefragt ist, zum zweiten als Ultrium, wenn es um hohe Kapazitäten geht. Accelis speichert bis zu 25 Gigabyte nativ, Ultrium bis zu 100 Gigabyte.

Festzuhalten bleibt jedoch, dass diese Technologie noch so neu ist, dass derzeit kein Accelis-Laufwerk aufgespürt werden kann. Nach Aussagen von Seagate soll es derzeit auch noch keines geben. Überraschend ist übrigens auch der Umstand, dass Accelis mit Kassetten mit zwei Spulen arbeiten soll. Das heißt, es sind auch komplett andere Laufwerke erforderlich. Somit bleibt als einzige Gemeinsamkeit zwischen Accelis und Ultrium das Format, mit dem die Daten auf das Band geschrieben werden.

 

DLT

Zwischen Digital Linear Tape und LTO bestehen viele Ähnlichkeiten. Diese beginnen bei der Kassette. Beide arbeiten nach dem gleichen Prinzip, dass nämlich in der Kassette nur eine Spule enthalten ist. Die Kapazität der DLT-Laufwerke wurden im Laufe der Zeit von zehn Gigabyte bei DLT III über 15 Gigabyte bei DLT III XL auf 40 Gigabyte bei DLT IV gesteigert. Das derzeitige Maximum ist mit Super-DLT erreicht. Diese Technologie speichert biszu 100 Gigabyte pro Band, wobei die Schreib- / Leseköpfe optisch auf dem Band positioniert werden, während der Schreibvorgang lasergesteuert abläuft. Die Transferrate der Laufwerke bewegt sich derzeit zwischen fünf und zehn MByte pro Sekunde.

 

SLR

Auch Single Linear Recording geht in seinen Grundzügen auf QIC zurück. Diese Technologie arbeitet mit Kassetten, die in etwa Postkartenformat aufweisen und rund einen Zentimeter dick sind. Sie sind ebenfalls mit einer dicken Aluminiumplatte ausgestattet und damt extrem stabil und widerstandsfähig. Aufgezeichnet werden die Daten in Serpentinen, das heißt parallel zum Band, wobei auch hier das Band die Kassette nie verlässt. Die Kapazitäten der Laufwerke haben mittlerweile mit SLR100 die 50 Gigabyte erreicht, bei einer Transferrate von 5 MByte pro Sekunde.

 

Weitere Technologien

Neben den bisher genannten Technologien gibt es weitere, die am Markt eine gewisse Rolle spielen. So ist hier Exabyte mit seinem Mammoth zu nennen. Diese Laufwerke arbeiten mit Kassetten, die an Videokassetten erinnern. Die Kapazität liegt derzeit bei maximal 60 Gigabyte, wobei bis zu 12 MByte/sek. Datendurchsatz erreicht werden können.

Eine weitere Technologie, die derzeit von sich reden macht, ist ADR (Advanced Digital Recording) . Die hier verwendeten Kassetten erinnern entfernt an Travan-Kassetten, die nach hinten extrem verlängert wurden, um längere Bänder aufnehmen zu können. So ist zu erklären, dass die native Kapazität bei 60 Gigabyte liegt, die Transferrate jedoch lediglich bei maximal vier MByte pro Sekunde - je nach Schnittstelle des Geräts. Diese Technologie bietet sich daher für den Heimbereich an, zumal auch keine Autoloader verfügbar sind.

Zu guter Letzt  sollen noch VXA von Ecrix und Exabyte erwähnt werden. Diese Laufwerke erreichen eine native Kapazität von 33 Gigabyte pro Band bei einer Transferrate von drei MByte pro Sekunde. Ab dem dritten Quartal soll für die Distribution auch VXA-2 zur Verfügung stehen. Diese Laufwerke bieten dann eine native Kapazität von 80 Gigabyte pro Band und eine Übertragungsrate von sechs MByte pro Sekunde.

 

Fazit

Beim derzeitigen Stand der Technik würden wir für eine Neuanschaffung zu DLT-Geräten raten. Diese Geräte haben sich bislang als besonders zuverlässig erwiesen, erfahren eine breite Unterstützung durch die Hersteller von Hard- und Software und sind darüber hinaus mit verschiedenen Kapazitäten und auch als Autoloader und Libraries verfügbar. Travan eignet sich höchstens noch für ganz kleine Installationen, und DDS scheint tot zu sein. Als weitere Alternative bliebe allenfalls noch die SLR-Technologie. Sie kann die gleichen Vorteile wie DLT für sich verbuchen, kann jedoch auf eine längere Geschichte zurückblicken. Was bleibt, ist allenfalls die Frage, wie es um die Zukunft von SLR bestellt ist.

 


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Zuletzt geändert am: 22. Februar 2010